Obermeisterversammlung im Polizeipräsidium Mittelhessen in Gießen

Die Teilnehmer an der Obermeisterherbstversammlung der Kreishandwerkerschaft Gießen sowie Kammerpräsident Klaus Repp auf dem Gelände des Polizeipräsidiums Mittelhessen in Gießen. (Foto: Ewert)
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Mit dem Polizeipräsidium Mittelhessen in der Gießener Ferniestraße hatte sich die Obermeisterversammlung der Kreishandwerkerschaft Gießen für ihre Herbsttagung eine besonders sichere Örtlichkeit ausgesucht. Dort wurde die knapp 30-köpfige Gruppe von Polizeivizepräsident Peter Kreuter begrüßt und von Sabine Richter, in ihrer Eigenschaft als Pressesprecherin, durch einige Abteilungen des Präsidiums geführt. Unter anderem auch in die Befehls- und die unmittelbar benachbarte Notrufleitstelle, bei der monatlich 10.500 Notrufe eingehen. Insgesamt sind im Polizeipräsidium Mittelhessen 2.000 Menschen beschäftigt, davon 500 im Gießener Polizeipräsidium selbst, der "Rest" in den 17 über vier mittelhessische Landkreise - Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Wetterau - verteilten Polizeidienststellen.

Unter der Leitung von Kreishandwerksmeister Walter Kwartnik arbeitete die Obermeisterversammlung eine umfangreiche Tagesordnung ab. Wie schon seit etlichen Jahren konnte Kwartnik von einer guten bis sehr guten Lage im Handwerk berichten. „Derzeit steht die Geschäftslage sogar auf einem Höchststand - Verbraucher und Kunden klagen über lange Wartezeiten“, so Kwartnik, der auf einen leichten Rückgang der Handwerksbetriebe im Bezirk der Handwerkskammer Wiesbaden verwies. Das Handwerk, so Kwartnik, sucht Fachkräfte, vor allem auch Auszubildende; junge Menschen, die fähig und willens sind, einen der mehr als 120 Handwerksberufe, verbunden mit guter Aussicht auf eine „Karriere mit Lehre“, zu erlernen. Denn 18 Prozent, also jede fünfte Lehrstelle im Handwerk könne aktuell aus Mangel an Bewerbern nicht besetzt werden. In diesem Zusammenhang plädierte Kwartnik dringlich für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zahlreichen Gewerken. Die Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2004 stand vor allem für die Abschaffung der Meisterpflicht in Dutzenden von Handwerksberufen, um damit den Marktzugang zu erleichtern. Das war aber, wie von Insidern schon damals vorhergesagt und wie sich bald auch zeigen sollte, eine falsche Weichenstellung. Mittlerweile sieht das auch die Politik in weiten Bereichen so und scheint bereit, diesen Fehler zumindest teilweise zu korrigieren. Genau das sollte laut Kwartnik möglichst bald in die Tat umgesetzt werden. Denn mit der Abschaffung der Meisterpflicht habe vor allem die Bereitschaft der Betriebe zur Ausbildung spür- und messbar nachgelassen. Die Fahrverbote, die in der Folge der Dieselaffäre drohen, stellen für die Handwerkbetriebe, deren Fahrzeuge überwiegend mit Dieselkraftstoff betrieben werden, ein besonders und für viele möglicherweise existentielles Problem dar. Der Gießener Kreishandwerksmeister fordert daher im Namen seiner Kollegen die Politik auf, endlich die richtigen Entscheidungen zu treffen, um das Problem zu entschärfen.

Als Gast der Gießener Obermeisterversammlung thematisierte Handwerkskammerpräsident Klaus Repp den unvermeidlichen und in der Umsetzung befindlichen Einzug der Digitalisierung auch in den Bereich des Handwerks. So hätten als Ergebnis einer Umfrage bereits 30 Prozent der hessischen Handwerksbetriebe in Digitalisierungsmaßnahmen investiert. Dabei lagen die Schwerpunkte auf der Erschließung neuer Kundenkreise, der Optimierung der Geschäftsprozesse sowie im Bereich Datenschutz und Cybersicherheit. „Wir sind mittendrin im vielzitierten digitalen Wandel und der notwendige Wille ist bei unseren Betrieben oftmals bereits vorhanden“, so Repp.

Einstimmig verabschiedete die Obermeisterversammlung die Neufassung der Satzung der Kreishandwerkerschaft Gießen auf der Basis der von der Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften in der Bundesrepublik Deutschland erarbeiteten Mustersatzung. Die KH Gießen ist damit die erste in Hessen, die diesen Schritt vollzieht.

Über die Möglichkeiten, die Verbandskommunikation in den Handwerksstrukturen innovativ zu verbessern, informierte Ulrich Müller, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfeld, anhand der Erfahrungen eines entsprechenden Projektes in seinem Geschäftsbereich. Im Anschluss an diese Präsentation sprach sich die Gießener Obermeisterversammlung einstimmig dafür aus, sich gezielt und intensiv mit dem innovativen Kommunikationsinstrument zu beschäftigen und eine Übernahme zu prüfen.

Angesichts steigender Fallzahlen bei Einbrüchen in Gewerberäume und -gebäude, wobei neben Gelegenheits- und Gewohnheitstätern vor allem organisierte Täter und Tätergruppen das größte Problem darstellten - gab Kriminalhauptkommissarin Claudia Zanke den heimischen Handwerksobermeistern Tipps zum Einbruchschutz in Gewerbeimmobilien. Zanke plädierte für mechanische Sicherungen, weil diese als Barriere wirkten und dem Täter Zeit abverlangten. Grundsätzlich müsse der Einsatz von Sicherungstechnik angemessen, durchdacht und sinnvoll aufeinander abgestimmt sein.

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